Augengesundheit bei Diabetes
Ein Mann um die 60 sitzt entspannt mit Zeitung am Küchentisch
Diabetes und Ihre Augen

„Ich sehe doch gut.“

Genau das denken viele Menschen mit Diabetes. Doch Schäden an der Netzhaut tun lange nicht weh und bleiben unbemerkt. Hier erfahren Sie in wenigen Minuten, was Sie wissen sollten.

IMZusammengestellt von Ines Michel, Fachweiterbildung Pflege
Los geht’s

In 48 Sekunden

Das Wichtigste als Video

Für alle, die lieber zuschauen als lesen. Mit Untertiteln, funktioniert also auch ohne Ton.

48 Sekunden · Stimme und Bild KI-generiert

In 30 Sekunden

Das Wichtigste

1

Diabetes kann die Netzhaut schädigen, die „Kamera“ hinten im Auge. Unbehandelt kann das bis zur Erblindung führen.

2

Man merkt es lange nicht. Wenn Beschwerden auftreten, ist die Erkrankung oft schon fortgeschritten.

3

Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt erkennen Schäden früh. Dann lassen sie sich meist gut behandeln.

Nr. 3

Netzhautschäden durch Diabetes sind die dritthäufigste Ursache für Erblindung.

Die unsichtbare Gefahr

Schäden wachsen, lange bevor man etwas merkt

Schematisch: Netzhautschäden nehmen über die Jahre zu, spürbare Beschwerden kommen erst spät. Regelmäßige Kontrollen finden die Schäden in der unbemerkten Phase. Unbemerkte Phase Nur der Augenarzt sieht es Jahre mit Diabetes Kontrolltermine
Schäden an der NetzhautSpürbare Beschwerden

Schematische Darstellung. Wer regelmäßig zur Kontrolle geht, erwischt die Schäden in der unbemerkten Phase, wenn sie sich noch gut behandeln lassen.

Was im Auge passiert

So verändert Diabetes die Netzhaut

Tippen Sie auf die Stufen. Die Grafik zeigt den Blick des Augenarztes auf Ihre Netzhaut.

Netzhaut mit Sehnerv, Blutgefäßen und Makula; je nach Stufe mit Veränderungen

Vorher und nachher

So kann sich das Sehen verändern

Schieben Sie den Regler. Links gesundes Sehen, rechts ein mögliches Bild bei Schäden an der Makula.

Szene scharf gesehen
Dieselbe Szene verschwommen mit dunklen Flecken in der Mitte
Gesund Mit Netzhautschäden

Vereinfachte Darstellung. Die Veränderungen sehen bei jedem Menschen anders aus.

Selbsttest

Das Amsler-Gitter

Mit diesem Test prüfen Augenärzte die Makula. Sie können ihn zu Hause machen.

  1. Lesebrille aufsetzen, falls Sie eine haben.
  2. Handy in normalem Leseabstand halten (etwa 30 cm).
  3. Ein Auge mit der Hand abdecken.
  4. Nur auf den roten Punkt in der Mitte schauen.
  5. Danach das andere Auge prüfen.

Sind alle Linien gerade und vollständig zu sehen?

Der Test ersetzt keine Untersuchung beim Augenarzt. Frühe Schäden zeigt er oft nicht an.

Vorsorge

Wann zum Augenarzt?

Typ-2-Diabetes

Direkt nach der Diagnose. Schäden können schon da sein, bevor der Diabetes entdeckt wird.

Typ-1-Diabetes

Spätestens 5 Jahre nach der Diagnose, danach in der Regel jährlich.

Danach regelmäßig

In der Regel jährlich. Bei geringem Risiko und gesunder Netzhaut alle 2 Jahre. Sind schon Schäden da, legt der Augenarzt kürzere Abstände fest.

Sofort, ohne Termin abzuwarten

Bei plötzlich schlechterem Sehen, Problemen beim Lesen, verzerrten Linien oder dunklen Punkten und Schlieren.

Zusätzliche Kontrollen sind wichtig bei

  • Schwangerschaft mit bestehendem Diabetes: direkt, in jedem Schwangerschaftsdrittel und bis ein Jahr nach der Geburt
  • einer starken Umstellung der Diabetes-Therapie, zum Beispiel neu mit Insulin oder GLP-1-Medikamenten

Auch wenn Sie gut sehen.Vereinbaren Sie Ihren nächsten Kontrolltermin am besten gleich heute.

Beim Augenarzt

So läuft die Untersuchung ab

1. Sehtest

Zuerst wird geprüft, wie scharf Sie sehen.

2. Augentropfen

Tropfen erweitern die Pupillen. So sieht der Arzt die ganze Netzhaut. Die Wirkung hält einige Stunden an.

3. Blick auf die Netzhaut

Mit einer Lupe und Licht untersucht der Arzt den Augenhintergrund. Das tut nicht weh. Bei Bedarf folgt eine Aufnahme der Makula (OCT).

4. Befund

Das Ergebnis geht an Ihre Hausarztpraxis oder Ihre Diabetes-Praxis. Gemeinsam wird der nächste Termin geplant.

Nach den Tropfen nicht selbst Auto fahren. Sie sind einige Stunden geblendet und sehen unscharf. Kommen Sie mit Bus, Bahn oder Begleitung. Bringen Sie Ihren Gesundheits-Pass Diabetes und Ihre Brille mit.

Behandlung

Was hilft, wenn Schäden da sind?

Je früher erkannt, desto besser die Chancen. Die Behandlung richtet sich nach der Stufe.

Immer

Werte gut einstellen

Blutzucker, Blutdruck und Blutfette werden mit Ihrer Hausarzt- oder Diabetes-Praxis optimiert. Das bremst das Fortschreiten.

Bei Makulaödem

Medikament ins Auge

Der Augenarzt gibt nach örtlicher Betäubung ein Medikament direkt ins Auge (IVOM). Es hemmt undichte Gefäße. Meist sind mehrere Behandlungen nötig.

Bei neuen Gefäßen

Laserbehandlung

Ein Laser behandelt schlecht durchblutete Bereiche am Rand der Netzhaut. So bilden sich keine neuen, brüchigen Gefäße mehr.

Bei Blutung im Auge

Operation

In fortgeschrittenen Fällen kann der Glaskörper im Auge entfernt werden, etwa bei einer Blutung oder drohender Netzhautablösung.

Das können Sie tun

Das schützt Ihre Augen

Blutzucker

Ihren persönlichen Zielwert mit der Praxis besprechen und einhalten.

Blutdruck

Hoher Blutdruck belastet die feinen Gefäße im Auge zusätzlich.

Cholesterin

Blutfette im Blick behalten, sie schädigen die Gefäßwände.

Nicht rauchen

Rauchen verengt die Gefäße. Jeder Rauchstopp lohnt sich.

Testen Sie Ihr Wissen

Kurzes Quiz